Vergiftet oder erschlagen – Straßenhunde in Ludwigsburgs Partnerstadt Jewpatorija

Die Krim ist eine große Halbinsel am Schwarzen Meer und zählt zur Ukraine. Auf der Krim liegt, direkt an der Schwarzmeerküste, die Stadt Jewpatorija – Partnerstadt von Ludwigsburg mit etwa 100 000 Einwohnern und vielen toten Hunde am Straßenrand. 

In der Ukraine gibt es ein Gesetz, das den „Schutz der Tiere vor Grausamkeiten“ garantieren soll. Es sieht vor, dass jede Stadt Vorschriften entwickelt, die den Umgang mit Tieren und die Haltung von Tieren regeln. Der Stadtrat von Jewpatorija hat im Februar 2009 „Regeln für die Haltung von Tieren“ verabschiedet. Ende Januar 2010 folgte das „Programm für den Umgang mit herrenlosen Tieren“, es läuft bis 2014. 

Grausame Realität
Doch die Realität sieht anders aus. Die Realität ist grausam, wie uns die Vorsitzende des Tierschutzvereins Krim, Olga Rozhkova mitteilte. Die Stadtverwaltung geht gnadenlos gegen herrenlose Hunde vor: sie werden erschlagen oder vergiftet. Doch das Ziel, die Population der Straßentiere zu begrenzen, erreichen die Behörden durch ihre Grausamkeiten nicht. Die Tiere vermehren sich zu schnell. So geht das Abschlachten immer weiter, behördlich verordnet und finanziert, mit Entsorgungsdienstleistern offiziell vereinbart. 

Das Verhalten der Stadtverwaltung von Jewpatorija ist völlig unverständlich, denn sie wird mit dem Problem keinesfalls allein gelassen. Der Deutsche Tierschutzbund engagiert sich seit 2000 für die Straßentiere in Odessa (Ukraine) und betreut dort seit 2005 ein Tierschutzzentrum. In diesem Zentrum werden herrenlose Tiere aufgenommen, betreut, kastriert und tierärztlich versorgt. Nach einiger Zeit werden die Tiere vermittelt oder wieder in ihr angestammtes Revier entlassen. Die Tiere finden sich dort gut zurecht und sie verhindern, dass andere Tiere nachrücken. Das Projekt ist ein großer Erfolg, nicht zuletzt, weil die Population der herrenlosen Straßentiere mit tiergerechten, vernünftigen Konzepten reduziert werden konnte. 

Bürgermeister lehnt Unterstützung ab
Der Projektleiter des Deutschen Tierschutzbundes, Gerd Fischer, hat der Stadt Jewpatorija angeboten, seine Erfahrung aus dem Odessa-Projekt einzubringen und die Stadt beim Aufbau eines Tierschutzzentrums zu unterstützen. Doch Oberbürgermeister Andre Danylenko will davon nichts wissen. Er kommentierte gegenüber Tierschützern das Angebot folgendermaßen: „Wir glauben, ein Treffen mit Herrn Fischer ist unzweckmäßig. Wir danken Ihnen persönlich und Herrn Fischer für Ihre aktive Mitarbeit bei der Lösung des Problems der Straßentiere in Jewpatoria.“ Danylenko hält es offenbar für zweckmäßiger, auch in Zukunft Hunde zu vergiften und zu erschlagen.

Politisches Handeln gefordert
Der Tierschutzverein Ludwigsburg e.V. fordert die Stadt Ludwigsburg auf, das Vorhaben der Tierschutzorganisation Krim auf politischer Ebene zu unterstützen. Es kann in Ludwigsburg nicht unkommentiert hingenommen werden, dass die politischen Entscheidungsaträger in Jewpatorija bewährte Tierschutzprogramme ausschlagen, anerkanntes Recht der Ukraine ignorieren und Geld für Mordaktionen bereitstellen, anstatt damit sinnvolle Tierschutzprojekte zu finanzieren.

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