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Die Türkisch-Van-Saga
Sie heißen Ron von
Güzzelik, Fred von Güzzelik und Van Gölü’ nün Goncagül
und sind nicht, wie die hochtrabenden Namen vermuten lassen, Ehrenmitglieder
eines superfeinen Golf- oder anderen gesellschaftlich hoch angesiedelten
Clubs. Nein, es handelt sich um drei wunderschöne, sehr große, stattliche
und selbstbewusste Vertreter der ausgefallenen und teuren Rasse Türkisch
Van. Vor 5 bzw. 8 Jahren wurden sie samt ihren noblen Stammbäumen von einer
Familie für sehr viel Geld bei einem Züchter gekauft. Jetzt mussten alle
drei gemeinsam den Weg ins Tierheim antreten, weil keiner mehr Lust und Zeit
hatte, sich um die wunderschönen Katzen zu kümmern. Nichts, aber rein gar
nichts nützten da Stammbaum und vornehme Herkunft; in all den vergangenen
Jahren wurde offensichtlich keine echte Bindung zwischen ihnen und ihrer
Familie aufgebaut. Ungepflegt, verfilzt und ungeimpft wurden sie ohne jede
Gefühlsregung ins Tierheim verfrachtet.
Immer öfter landen
reinrassige, mittlerweile lästig gewordene, meist ungepflegte, verwahrloste
Rassetiere beim Tierschutz. Es gibt kaum noch ein Tierheim, in dem man nicht
vom Perser bis zur Maine-Coon-Katze und anderen teuren Rassen alles findet.
Stolze Preise verlangen die Züchter – bis zu 600 € pro Jungkatze sind
keine Seltenheit. Die Züchter machen sich meist nicht die Mühe, für die
Zukunft der bei ihnen produzierten Raritäten – die meist auch besondere
Erwartungen hinsichtlich kundiger Haltung haben – durch
verantwortungsbewusste Überprüfung der Interessenten vorzusorgen. Wer
zahlt, bekommt, und nach dieser Devise wird munter und uferlos
weiterproduziert. Neue Rassen, neue Farben werden auf den Markt geworfen,
teilweise aus Qualzuchten, teilweise enorm anspruchsvolle halbe Wildkatzen
wie z. B. Bengalen, mit deren Haltung der durchschnittliche Katzenhalter völlig
überfordert ist.
Keine gesetzliche Handhabe
Leider gibt es keinerlei Möglichkeiten,
solchem Treiben gesetzlich zu begegnen, die „Produzenten“ wenigstens
finanziell in die Verantwortung zu nehmen, wenn ihre Produktion die
Tierheime überschwämmt.
  
Jetzt sind wir in der
Pflicht, die Zukunft unserer drei Schönheiten so gut wie irgend möglich
abzusichern. Wir haben ihnen zusammen ein geräumiges Zimmer
katzenfreundlich ausgestattet und hoffen mit ihnen zusammen, dass sich ein
ganz spezieller Liebhaber findet, der ihnen ein neues, geräumiges Zuhause
bieten kann und der versteht, dass dieses eingespielte Katzenteam auf keinen
Fall getrennt werden darf. Sie hängen sehr an einander, liegen oft zu dritt
in einem Kratzbaum und belecken und trösten sich gegenseitig. Wir hätten
es nicht übers Herz gebracht, sie einzeln in Quarantäne-Boxen zu sperren.
Die beiden kastrierten Kater sind 6 Jahre alt, die Kätzin 9. Alle drei sind
peinlich sauber, freuen sich über jeden Kontakt zu Menschen
und sind nicht an Freigang gewohnt – der ihnen auch künftig
vorenthalten werden muß. Das künftige Zuhause unserer drei Riesen sollte
sehr geräumig sein und ihnen genügend Bewegungsfreiheit bieten. Eine
katzengerechte Ausstattung mit Kratzbaum oder besser noch zweien, ein
Freiluftgehege oder zumindest katzensicher gemachter Balkon sollte unbedingt
vorhanden sein. Um Ihre Schönheit dauerhaft zu erhalten, müssen sie einmal
pro Woche gründlich durchgekämmt werden. Vankatzen verfilzen nicht wie
Perser; trotzdem ist Fellpflege unerlässlich. Rassetypisch sind unsere Vans
sehr mutig. Sie fürchten sich nicht vor freundlichen Hunden und freuen
sich, wenn nette Kinder auf Besuch kommen und mit ihnen spielen.
Hier soll nicht der
Eindruck entstehen, als würden uns die Vertreter teurer und ausgefallener
Rassen besonders am Herzen liegen. Der Katze, die ihre Jungen auf einer Müllhalde
unter all den drohenden Gefahren aufzieht, die unter Einsatz ihres Lebens
Jagd auf Ratten machen muß, um ihre Babies aufziehen zu können, gilt unser
ganz besonderes Mitgefühl und der Wunsch, ihr mit allen Mitteln
beizustehen. Doch die durch
Menschen heimatlos gemachte Rassekatze hat nicht den Vorrang, aber das
gleiche Recht auf verantwortungsvolle menschliche Zuwendung und
Respektierung ihrer charakteristischen Wesensmerkmale.
 
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