Mongolische Rennmäuse

 Wertvolle Tipps von Sinja Döring

Sie möchten sich Rennmäuse aus dem Tierheim holen und wissen noch nicht, ob diese Geschöpfe in Ihr Leben passen?

Hier finden Sie einige Informationen, die Ihnen die Entscheidung erleichtern sollen.

Vorab stellen Sie sich bitte folgende Fragen:

-       Habe ich eine Allergie gegen Heu, Stroh, Staub oder Tierhaare?

-      Kann ich mich ca. 4 Jahre täglich um mindestens 2 Rennmäuse kümmern, sie füttern, die Wasserflasche wechseln, das Sandbad erneuern und mich mit ihnen beschäftigen?

-      Habe ich ausreichend Platz in der Wohnung, um ein großes Becken/Käfig an einem Ort aufzustellen, wo die mongolischen Rennmäuse an meinem Leben teilnehmen können, aber keiner prallen Sonne, lauten Musik-/Fernseh-Geräuschen oder Zigarettenqualm ausgesetzt sind?

-      Habe ich die finanziellen Mittel, um die Anfangsanschaffungen machen zu können, eventuelle Tierarzt-Rechnungen und natürlich die laufenden Futter- und Sandkosten zu zahlen?

-     Habe ich jemanden, der sich während meines Urlaubs genauso liebevoll um sie kümmert, wie ich?

-      Bringe ich die nötige Toleranz für die häufigen Scharr- und Knabbergeräusche der kleinen Nager auf und lasse ich sie schlafen, wenn sie sich zurückgezogen haben?

-       Habe ich Kinder über 10 Jahre, die verantwortungsvoll mit Tieren umgehen, oder, wenn meine Kinder kleiner sind, lasse ich sie nur in meinem Beisein direkten Kontakt mit den Rennmäusen aufnehmen?

-       Mir ist bekannt, dass man Rennmäuse nicht am Schwanz festhalten oder gar hochheben darf, da dieser dann abreißen kann?

-       Lässt mich die deutlich höhere Staubentwicklung rund ums Nagerheim kalt?

 

Wenn Sie die erste Frage mit "Nein" und alle anderen mit "Ja" beantworten können, sind Sie der richtige Mensch für mongolische Rennmäuse!

Dann können sie sich nun an die Anschaffung und Einrichtung eines Rennmaus-Heimes machen, bevor Sie losgehen und sich einige dieser possierlichen intelligenten Tiere aussuchen.

Nun, warum mindestens "zwei" oder "einige"?

Mongolische Rennmäuse leben in der Natur gesellig und es ist Tierquälerei, sie einzeln zu halten! Eine Rennmaus wird immer unglücklich sein und nie das volle Verhaltensrepertoire zeigen, auch wenn manche einzelnen Tiere vielleicht auf uns Menschen nicht unglücklich wirken. Als Mensch können Sie niemals das Sozialverhalten einer Rennmaus kopieren, geschweige denn 24 Stunden täglich bei ihr sein. Rennmäuse brauchen einander zum Kuscheln, Putzen, Schlafen, Spielen, sich gegenseitig warnen vor vermeintlichen Gefahren, auf Entdeckungstour gehen, für den Nestbau usw. Es ist leider ein weit verbreiteter Irrtum, dass nur einzeln gehaltene Rennmäuse zahm werden. Meine 5 Rennmäuse kommen alle auf die Hand. Trotzdem sind die Rennies eher Beobachtungs- als Streicheltiere und als solche sollten Sie sie sehen und zu sich nehmen.

Es macht sehr viel Spaß, sie zu beobachten, und Sie werden feststellen, dass Sie, anstatt in den Fernseher zu schauen, nun häufiger abends vor dem Rennmaus-Becken sitzen und sich an dem munteren Treiben erfreuen...

Ein Hinweis, mit Rennmäusen aus dem Tierschutz darf nicht gezüchtet werden, es ist kein Problem, männliche Tiere kastrieren zu lassen. Heimatlose Rennmäuse sind in fast jedem Tierheim zu finden, leider gibt es bereits zu viele Tiere, die nicht artgerecht gehalten werden. Es gibt also keinen einzigen Grund, noch mehr Tiere zu produzieren und es ist fast nicht möglich, den Nachwuchs (bis zu 10 mal im Jahr bis zu jeweils 7 Jungtiere) gut unter zu bringen.

Wählen Sie eine gleichgeschlechtliche Gruppe. Die Männchen zählen hier zu dem "schwachen" Geschlecht und sind weniger aggressiv als die Weibchen. Daher sind Gruppen mit männlichen Tieren in der Regel stabiler.

Und noch ein wichtiger Hinweis: Niemals, wirklich niemals in eine bestehende Gruppe neue Tiere einfügen. Das gibt Mord- und Totschlag!

Wenn nur noch eine Rennmaus übrig ist, weil alle anderen verstorben sind, können sie zwei oder mehr (natürlich wieder gleichgeschlechtliche) Rennmaus-Babies hinzusetzen. Das geht meist gut, und wenn das alte Tier verstirbt, bleibt nicht gleich wieder ein einsames Mäuschen zurück.

 

Jetzt aber endlich zum Nagerheim:

Ich empfehle Ihnen den Erwerb eines Aquariums von mindestens 80 cm Länge ohne Zubehör und Deckel. Da hinein können Sie 2-3 Rennies setzen. Wollen Sie eine größere Gruppe halten, sollte die Mindestgröße 1m Länge betragen.

Einfache Aquarien ohne Zubehör und Deckel bekommen Sie neu im Zoogeschäft oder gebraucht über die Zeitung oder das Internet. Vielleicht hat auch jemand im Bekanntenkreis ein defektes Becken stehen, das sie dann günstig bekommen können.

Aquarien haben gegenüber herkömmlichen Käfigen und Terrarien folgende Vorteile:

- die Eistreu kann schön hoch eingefüllt und von den Rennies nicht  herausgewühlt werden

-  gegenüber Käfigen hat man einen ungetrübten Blick in das Becken       ohne störende Gitterstäbe

-    lästiges lautes Knabbern an Gitterstäben entfällt

-     bei Terrarien können die Rennmäuse die Belüftungsgitter zernagen

-     Aquarien lassen sich sehr gut saubermachen

 

Nachteile gegenüber Käfigen und Terrarien:

-         Sie müssen sich dafür selbst einen Deckel basteln, der gut luftdurchlässig ist

( im Baumarkt finden Sie Holzleisten für den Rahmen und Volierendraht mit der Lochgröße 1 cm zum Bespannen)

-         die Luft ist am Boden schnell verbraucht (dem können Sie etwas vorbeugen,

indem Sie ein Becken wählen, das nicht höher als breit ist , und 1x täglich die verbrauchte Luft mit einer Zeitung herausfächeln)

 

So, das Becken haben Sie nun also, einen Deckel auch schon gebaut, bestens.

Bevor Sie nun  die Einstreu einfüllen, bauen Sie noch ein Podest mit Aufstieg ( alles aus unbehandeltem Fichtenholz im Baumarkt günstig zu bekommen), darauf stellen Sie später Futternapf und Sandbad, dort oben hängen Sie auch die Wasserflasche mit Kugelverschluss an einer selbstgebastelten Drahtvorrichtung an die Glasscheibe. So gelangt keine Einstreu in die vorgenannten Teile.

Ja, ein wenig Kreativität gehört dazu beim Rennmausheim-Bau. Keine Sorge, ich als ziemlich unbegabte Heimwerkerin habe es auch hinbekommen.

Jetzt besorgen Sie sich aus dem Garten oder Wald Birken-, Obstbaum-, Haselnuss- oder Buchenzweige, die sie mit kochendem Wasser abspülen und die dickeren Äste anschließend bei 90 °C im Backofen trocknen. Diese so vorbehandelten Zweige verkeilen Sie im Becken so, dass die Rennmäuse davon nicht erschlagen oder erdrückt werden können, wenn sie kräftig wühlen. Dieses Gerüst gibt den gebauten Gängen mehr Stabilität, so dass nicht alles gleich wieder zusammenfällt.

Nachdem nun also Podest, Äste und Zweige im Becken eingebaut sind und sich nicht umwerfen lassen, können Sie endlich die Einstreu verteilen.

Verwenden Sie herkömmliche Kleintier-Einstreu aus Hobelspänen. Es ist kostengünstig im Zoogeschäft zu bekommen und eignet sich gut, auch wenn die Tiere in der Natur natürlich Erde vorfinden.

( Holen Sie sich diese Späne bitte nicht beim Tischler, sie ist sehr staubig, eventuell mit Giften belastet, und es befinden sich oft Teile darin, die dort nichts zu suchen haben, z.B. Getränkeverschlüsse, Schrauben und ähnliches). Sie wollen doch schließlich ein verantwortungsvoller Rennmaus-Halter werden?

Obenauf legen Sie eine Lage Stroh und Heu für den Nestbau, zum Zernagen und Fressen. Die Rennies werden das Ganze nach kurzer Zeit gut zerkleinert und vermischt haben, in diesem Gemisch können sie dann stabilere Gänge anlegen, denn das ist ihre Lieblingsbeschäftigung.

Damit sich Ihre Nager noch wohler fühlen, können Sie ihnen einige Röhren, Unterschlüpfe und vielleicht auch noch ein aus Holz selbst gebasteltes Haus anbieten. Auch umgedrehte Blumentöpfe aus Ton, in die Sie eine Öffnung schlagen und die Ränder stumpf feilen, sowie Kokusnusschalen oder  im Handel erhältliche Birken- und Bambustunnel werden liebend gerne benutzt. (Kaufen Sie bitte keine Plastikteile mit Ausnahme der Trinkflasche, denn auch vor Plastik machen die süßen Nager nicht Halt und können daran zugrunde gehen.)

Zusätzlich können Sie Ihren Rennmäusen zum Zernagen Klo- und Haushaltspapierrollen, sowie manchmal einen kleinen Karton mit mehreren Öffnungen, überlassen. Alle paar Tage legen Sie bitte Stroh und Heu aus, damit die Rennmäuse ihr " Bettzeug" wechseln können. Einmal wöchentlich erfreuen Sie Ihre Lieblinge mit einigen dünnen Zweigen von Birke, Buche oder Obstbäumen, damit sie ausgiebig nagen können.

Die restliche Einrichtung aus Holz wird natürlich auch ständig benagt, und das ist auch gut so, denn die Krallen und Zähne der mongolischen Rennmäuse wachsen ständig weiter und müssen daher immer in Gebrauch sein, sonst werden sie zu lang und es gibt Probleme.

Übrigens brauchen Sie das Becken je nach Größe und Bewohneranzahl nur 1x monatlich komplett zu reinigen, verwenden Sie hierfür bitte Neutralreiniger, den vertragen die Rennmäuse und die Umwelt gleichermaßen. Die eigentlichen Steppenbewohner ( Mongolische Rennmäuse ) produzieren kaum Urin, dadurch fallen sie uns geruchlich nicht auf. Sie fühlen sich in ihrem Heim aber erst richtig zuhause, wenn sie ihre für uns nicht riechbaren Duftmarken überall verteilt haben. In Beziehung auf die Beckenreinigung dürfen Sie also ruhig faul sein.

 

Nun zum Futter:

Von Natur aus fast Vegetarier fressen die Rennmäuse hauptsächlich Getreide und feine Sämereien. Etwa 6 -10 Gramm müssen Sie pro Tier und Tag zur Verfügung stellen. Im Zoofachhandel gibt es fertige Mischungen oder sie gehen an die Theke zum Selbermischen. Die Rennies lieben es abwechslungsreich, variieren Sie die Mischung ruhig. Goldhamster- und Wellensittichfutter, außerdem Haferflocken, Getreidesorten, sowie Möhren und Erbsenflocken können sie verfüttern.

Sonnenblumenkerne und Nüsse gehören nicht ins tägliche Futter, sie belasten die Verdauung und machen dick. Als besondere Leckerbissen und zum Anlocken eignen sie sich aber hervorragend.

Kleine Mengen Grünfutter gehören ebenfalls auf den Speiseplan, dazu zählen Möhren, Chicoree, Gurke, Löwenzahn inklusive Blüten von unbelasteten Flächen, Vogelmiere und Feldsalat. Bei Obst verwende ich hauptsächlich Äpfel, manchmal auch Birne, Beeren und Bananen. Im Frühling können Sie blühende Obstbaum-Zweige ins Becken legen, Ihre Rennmäuse werden begeistert sein. Oder wie wäre es mit einem Grasbüschel inklusive Wurzeln aus Ihrem Garten?

Abwechslung heißt das Zauberwort, die Rennies danken es Ihnen mit einem langen munteren Leben.

 

Zu guter Letzt das Sandbad:

In den Zoohandlungen fehlt es meistens, das bedeutet einen großen Mangel an Lebensqualität für die mongolischen Rennmäuse. Sie brauchen Sand, um ihr Fell zu pflegen. Bei meinen 5 Rennies stehen Tag und Nacht ( denn sie sind tag- und nachtaktiv) 2 Sandbäder mit Chinchilla-Sand zur Verfügung und sie werden reichlich benutzt. Bitte kaufen Sie keinen Vogelsand, auch wenn er deutlich kostengünstiger ist. Er enthält zu viele scharfkantige Kalkstückchen.

Die Sandbäder siebe ich täglich durch, alle 2-3 Tage tausche ich den Sand vollständig aus und reinige die Schüssel mit Essig, da die Rennies sie auch als Toilette benutzen. Ich finde das in Ordnung, denn so brauche ich das Becken noch seltener zu reinigen, was den Mäusen entgegenkommt.

Für das Sandbad empfehle ich hohe Gefäße, denn sonst befindet sich der Sand bald in der Einstreu. Die kleinen Wühler haben ihn nämlich schnell heraus gescharrt. Ich habe mir 2 schwere Keramik-Hundenäpfe mit zur Mitte gewölbtem Rand besorgt, da fällt der meiste Sand automatisch zurück in die Schüssel, wenn die fleißigen Füßchen ihn hochschleudern.

 

Jetzt wissen Sie schon das Wichtigste und mehreren glücklichen Rennmäuse-Leben in Ihrer Obhut steht nichts mehr im Wege.

 

Meine Ausführungen zur Haltung der Mongolischen Rennmäuse erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit und Richtigkeit. Sie stellen lediglich eine Zusammenfassung meiner ganz persönlichen Vorgehensweise und Erfahrungen dar.

Bitte informieren Sie sich in der Fachliteratur eingehender über Ihre zukünftigen Hausgenossen. Die Themen Krankheiten, Verhalten, Zucht, Herkunft und Lebensweise habe ich hier bewußt ausgeklammert, denn das hätte den Rahmen gesprengt.

Abschließend wünsche ich Ihnen von ganzem Herzen viel Freude und Harmonie mit Ihren Mongolischen Rennmäusen, und Ihren Rennies in Ihnen einen verständnis- und liebevollen Pfleger!!!

 

Buchempfehlungen:

"Alles über Rennmäuse" von Michael Mettler

Falken Verlag

ISBN 3-8068-1318-3                        16,90 DM

"Rennmäuse" von Martina Arnold und Manfred Lindner

Augustus Verlag

ISBN 3-8043-7149-3                          7,50 €

"Rennmäuse glücklich & gesund von Engelbert Kötter

Gräfe & Unzer

ISBN 3-7742-5583-0                           7.90 €

 

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